Benutz das! Teil 1

So, es gab da einen kleinen Anstoß, erst habe ich irgendwo (Tja, wenn ich noch wüßte, wo…) kommentiert, das zuviel Setting die Regeln kapputmacht, und dann kam der Moritz mit seinem “Bäm!”. Und ich habe gerade so zu mir selbst gesagt – “Ja, meckern kannst du, aber wann hast du denn mal was wirklich Settingspezifisches gepostet und nichts Regeltechnisches?” und, doch habe ich auch schon, die zeitlose Königin und so, aber ist ja schon etwas her, und deswegen jetzt mal etwas von den Grautalinseln, das wirklich jeder Fantasy-DM/Spielleiter/Meister in seine Kampagne einbauen kann UND von dem sich jeder inspiriert fühlen sollte, frei nach dem Motto: “So’n Schwachsinn kann ich auch!”:

Der Flußpferdpferch von Rothebachum.

Wenn man sich der Kleinstadt Rothebachum nähert und von den Klippen herab auf die zweistufige Ortschaft am Ufer des Seelkensees schaut, fällt einem eine massive, annähernd kreisrunde Struktur auf, die östlich der Stadt ein Areal umfriedet, das fast ebenso groß wie die Siedlung selbst ist. Eine rund 5m hohe Mauer umschließt sowohl eine Wiese als auch einen Teil des Sees, und eine Brücke, von massiven gemauerten Bögen getragen,  führt von einem kleinen Torhaus zu einem massivem kreisrunden Gebäude in der Mitte der offenen Fläche, auf der eine Handvoll übergroßer Heuraufen aus wettergegerbtem Holz stehen.

Ok, Infos die meine Spieler nicht haben hinter dem Ding:

Wenn man genauer hinsieht kann man die mächtigen Leiber der Flußpferde erkennen, die sich tagsüber im See aalen. Diese Wesen, selten so weit im Norden zu finden, überstehen den Winter in dem runden Gebäude, aber im Frühjahr bis Herbst laufen sie frei in dem Areal herum, dessen Betreten strengstens verboten ist. Selbst die “Spießer” genannten Schlachter dieser plumpen Pachydermen nutzen eine Kombination aus ballistagetriebenen Harpunen und schweren Flaschenzügen um diese zu sich in das Gebäude zu ziehen, ohne einen Fuß auf die Fläche zu setzen. Einzig eine Handvoll junger kräftiger Leute ist von diesem Verbot ausgenommen. Diese füllen gegen Abend möglichst schnell die großen Heuraufen auf, was immer die Gefahr eines Angriffs durch die zur Nacht an Land kommenden, hungrigen Flußpferde birgt. Sie nennen sich stolz “Heumänner” und “Heufrauen”.

Die Spießer und die Heuleute werden von der Stadt bezahlt, sind die Flußpferde doch Kommunaleigentum. Ebenso werden die Häute und das Fleisch der geschlachteten Tiere gerecht nach einem von der Gilde der Lederarbeiter bestimmten Schlüssel an die Gerber und Lederarbeiter sowie die Garküchen verteilt – zumindest in der Theorie. Tatsächlich sind die begehrten Häute von jungen Kühen (die nur bei schweren Verletzungen geschossen werden) und das zarte Fleisch der Kälber Gegenstand von Bestechungen, Beziehungen und Bedrohungen – und selbst die normalen Häute und das etwas zähere Fleisch werden oft zu dem Favouriten des einen oder anderen Gildenmitglieds verschoben.

Interessante NSC:

Adelrich Renatus, erster Spießer, ein älterer, faltenreicher Mann mit einem hängenden Schnurrbart und Halbglatze, viel Goldschmuck und einem Haken an der linken Hand. Er ist Spezialist in der Genealogie der Flußpferde und kann von jedem Kalb den Vater benennen, was bei der Entscheidung welcher Jungbulle zur Zucht weiterleben darf, eine große Rolle spielt. Er erzählt den jungen Spießern gerne wie er beim heldenhaft Kampf mit einem wütenden Bullen seine Hand verlor, aber die anwesenden älteren Spießer verdrehen die Augen bei der Geschichte…

Elfriede Leipaffen, die Heufrau, ist eine junge, athletische Figur mit kurzem blonden Haar, mit einer schiefgewachsenen Nase. Sie ist wild entschlossen, die “Jungs” in ihre Schranken zu weisen und besonders waghalsig beim Füllen der Heuraufen. Es wird erzählt, sie hätte ein uneheliches Kind, für das sie sorgen muß…

Pancratius Proteus, Rechenmeister der Gilde der Lederarbeiter und ein kräftig gebauter Mann mit Vollbart und dichten schwarzen Locken, ist verantwortlich für die “gerechte” Verteilung von Häuten und Fleisch. Ihm wird nachgesagt, das er zu fortgeschrittener Stunde einmal gesagt habe, es läge eine eigene Gerechtigkeit in der Menge der Münzen, die in seine Taschen flössen… Ein vielgehasster und auch heimlich bewunderter Mann und ein fähiger Kämpfer.

Klara, eine schmächtig gebaute junge Frau mit blassblonden langen Haaren, ist eine Druidin und setzt sich leise, aber bestimmt für eine Freilassung der Flußpferde ein. Spießer und Heumänner fürchten ihre anklagenden Blicke und ihre stillen Proteste bei jeder Schlachtung. Sie scheint aber einzusehen, das die überwiegende Mehrheit zu gut an den Flußpferden verdient, um ein Gewissen gegenüber den Dickhäutern zu entwickeln. Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte, das einzelne Tode von Spießern irgendwie mit ihr im Zusammenhang ständen.

Lucasta Chara, ständig betrunkene Baumeisterin, eine kurzatmige, fette Frau in ihren besten Jahren, ist zuständig für die Instandhaltung der Mauern und des Gebäudes. Sie delegiert gerne ihre Aufgaben und ist nur sehr selten vor Ort zu sehen. Es ist kein Geheimnis, das sie bei üblen Gesellen große Spielschulden hat, denn sie ist ein begeisterter Pokerspieler ohne großes Talent (und der Alkohol hilft nicht gerade).

Ioannis Argus, eine alter Herr mit strengen Gesichtszügen und einem sauber gestutztem Knebelbart, ist mit seiner Leimkocherei Hauptabnehmer der Knochen der Flußpferde. Er scheint ungewöhnlich großen Bedarf zu haben und seine Manufaktur ist von hohen Mauern umgeben. Arbeiter erzählen davon, das er persönlich jeden Knochen inspiziert und nach einem unbekannten Muster viele aussortiert. Es ist fraglich, was mit diesen Knochen passiert.

 

Eine kurze Übersichtskarte mit dem Titel “Ich bin zu faul, die groß nachzubearbeiten, also einfach mal so hingeschmiert:”

Flusspferdpferch

 

So, das war’s.

BDD

ER

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Benutz das! Teil 1

  1. klingt ein wenig strange, aber durchaus nach einer interessanten, ungewöhnlichen Begegnung / Geschichte / Entdeckung. Zwei, drei halbe Plothooks stecken ja drin, evtl. würde ich die nochmal seperat ausformulieren?

  2. Da hab ich absichtlich drauf verzichtet, auch wenn ich einige im Kopf habe. Um jedem seine Freiheit zu lassen und die Fantasie anzukurbeln. Genau diese Festlegung, was denn jetzt genau vor sich geht, ist ja Teil meiner Kritik an zu ausformulierten Settings ohne Freiräume ;) So kann man das Ganze in jede Richtung weiterentwickeln, je nach Gusto und Spielervorlieben.

  3. Versteh ich, kann mir aber vorstellen, dass der ein oder andere davor steht (sitzt) und denkt: “Ja toll, jetzt kann ich den SC mal kuriose Flußpferdhaltung zeigen …”. Man hat das Gefühl, dass Du da schon drei, vier konkrete Verwendungsideen hattest, dipe man ja so halb rausliest. Ich versteh solche Plothooks immer als Angebot und oft lässt er sich ja in zwei Sätze fassen, damit formulierst Du – solange Du eine Auswahl an Plothooks zur Hand gibst und es knapp hälst, formulierst Du dann ja auch nix vor.

    In dem Zusammenhang: Mir gefielen die Finsterland-Quellenbücher ganz großartig, weil da jeweils gut 100 Plothooks in ein, zwei Sätzen über das Buch verteilt sind (oft zu einem Abschnitt mehrere), wie man das Geschriebene einbinden kann.

    • Ok, nur für Dich*:

      1. Alderich wird von Pancratius unter Druck gesetzt und sieht sich vor einem Dilemma: Sollte er die Nachfrage bedienen, wie verlangt, gefährdet er auf lange Sicht den Bestand. Wenn nicht, gefährdet er seinen Job, seinen Ruhestand und seine Knochen… Könnte Klara eine Verbündete sein? Aber er kann schlecht direkt auf sie zugehen ohne daß das bekannt wird. Einige Fremde in der Stadt könnten vielleicht vermitteln, ohne das es auffällt…

      2. In einer stürmischen Nacht bricht ein Teil der Umfriedung im See zusammen. Ein Bulle mit einigen Kühen entkommt. Nur durch das heldenhafte Einschreiten von Lucasta wird schlimmeres verhindert… Aber Pancratius zweifelt daran, das es Zufall ist, das die Baumeisterin zufällig vor Ort war und sucht Leute, am Besten Außenseiter, für diskrete Nachforschungen. Und dann müssen auch noch der Bulle und seine Kühe eingefangen(!) werden… die natürlich sofort unter Klaras besonderem Schutz stehen.

      3. Ioannis sucht nicht nach bestimmten Knochen, sondern er sucht nach den Schriftzeichen, die manche Knochen tragen… was ist das für ein Text der dort langsam entsteht, und wer kommuniziert auf diese komplizierte Weise? Ein Beschützergott der Flußpferde? Oder ein dämonische Wesenheit des Schlachtens, die heimlich von den Spießern angebetet wird? Ioannis ist sich sicher den Schlüssel gefunden zu haben – er braucht den Schädel des größten Bullen im See… und er bezahlt fürstlich dafür…

      4. Elfriede ist eine berüchtigte Attentäterin, die angeheuert wurde, Pancratius zu erledigen, egal, wie lange es dauert. Da dessen Netzwerk aus Spionen und Schlägern aber recht effektiv ist, will sie als oberste Heufrau am Neujahrsbankett teilnehmen – nur gab es noch nie eine Frau als Trägerin dieses Titels… Sie hat auch keine Tochter sondern lebt mit einer Halblinggiftmischerin zusammen, die sich als Kind verkleidet. Nun, wer hat dem Sc mit dem niedrigsten Charisma einen gefälschten Liebesbrief von Elfriede zugestellt? (Höhöhö!)

      …das sind allerdings nur Möglichkeiten. Ich hatte eine wesentlich bessere Idee mit Ioannis, aber die habe ich nur noch halb im Gedächtnis. Irgendwas mit einer verlorenen Liebe und irgendwie passte das Wunderbar mit den Knochen. Es war morgens im Bett, vielleicht war die Idee auch gar nicht so super… und einen Nekromanten mit einer Armee aus Flußpferdskeletten kann man natürlich immer aus ihm machen.

      *Ok, alle anderen, die das lesen sollten, dürfen sich auch bedienen… ;P

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