Expeditionstagebuch des Ehrenwehrten Herrn Ferdinand Offentiel

Freiherr von Eisweiher,

Mitglied der Königlichen Geographischen Gesellschaft,

Angehöriger des Heiligen Orden der Vier Zauberinnen,

Träger der Ehrenmedallie der Vierfarbigen Schlange am Bande,

Geschrieben während der ersten Götterstraßenexpedition Maya 542 bis  Julek 543

Regidiert und mit Anmerkungen versehen im Winter 543

Gedruckt in Wendeburg

Druckerei Alfons Grickmann und Söhne 544

in einer Auflage von 120 Exemplaren

12 von 120

 

Tag 1.: 2. Maya des 19. Jahres der Regentschaft seiner erlauchten Majestät Winfred des 3.

Mögen die Götter uns gewogen sein. Ich schreibe diese Zeilen um einen akuraten und genauen Bericht meiner Expedition zum nördlichen Ende der Götterstraße für die Nachwelt zu erhalten. Für den geneigten Leser, der mit dieser geologischen Formation nicht vertraut ist, hier eine kurze Beschreibung: Götterstraße ist die volkstümliche Bezeichnung für einen recht merkwürdigen Grabenbruch der die östlichen Grauebenen in zwei Teile spaltet. Es handelt sich um zwei gleichförmige, ungefähr anderthalb Mannlängen tiefe und siebeneinhalb Mannlängen breite Vertiefungen, die in einem Abstand von etwa dreißig Mannlängen aus dem Moor, meist Teufelsmoor genant, am südlichen Rand des Tales heraus richtung Norden führen. Die besonders genaue und signifikante gleichförmigkeit der Formation erinnert in der Tat eine Straße, und wer könnte einen Wagen solch gewaltigen Ausmasses gefahren haben, wenn nicht die Götter? Da von der Geschichte des Tales vor der Zeit der Besiedelung vor ca. zweihundert Jahren so gut wie nichts bekannt ist, bis auf Gerüchte und Vermutungen[1], will ich, unter Mithilfe und mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Grafen Grabert von Wendeburg, mögen alle Götter ihn segnen, dieser Formation über die bekannten Ebenen hinaus in die unbekannt Wildnis nördlich des Tales verfolgen und hoffe, bedeutende Information zu ihrer Erschaffung herauszufinden. Wenn die Götter mir gewogen sein mögen[2], kann ich vielleicht sogar die Quelle dieser urzeitlichen Spur wahrhaftig werden lassen.

Die Expedition besteht aus drei ochsengezogenen leichten Planwagen mit ihren Fahrern  sowie 15 Mulis, drei Treibern (Wilden Brüdern und sogenannte Trimmreiter namens Jorg, Jürgen und Jargol), einer Gruppe aus sogenannten Abenteurern; die aus einem stets sehr höflichen zwergischen Kriegern namens Grundar vom Eisenhutclan (einer recht amüsanten Übersetzung aus dem Zwergischen, ist doch ein Helm gemeint und keine Pflanze),  einem stoischen Halblinggeistlichen names Bruder Dunstan und zwei Bogenschützen, Gunther und Verrian, besteht; sowie einem gnomischen Kochsklaven[3] namens Bert und natürlich meiner Wenigkeit. Die Mulis sind noch leicht beladen; sie sollen für die Eventualität bereitstehen, daß das Gelände für die Wagen zu uneben wird oder wir auf andere Hindernisse stoßen, die jene ungelenken Fahrzeuge zur Umkehr zwingen würden. Sie ist gut versorgt mit Rationen, Seilen, Werkzeug und meinem Labor; sogar eine handvoll Holzstangen (jede etwa anderthalbmal in der Länge eines Mannes), deren Verwendungszweck mir entgeht, hat der Zwerg auf eigene Kosten zum Expeditionsvorrat hinzugefügt. Gerade in der ersten Zeit sollten wir gut versorgt mit Äpfeln und frischem Fleisch sein, und die etwas haltbareren und längst nicht so schmackhaften Vorräte reichen, um uns ein ganzes Jahr zu versorgen.

Wir brachen früh am Tage von Eisweiher auf und erreichten, noch bevor die Sonne auf den Horizont zustrebte, den Ort wo die Götterstraße die Schnelling kreuzte. Ihrer Vertiefungen standen bis etwa 200 Mannlängen Entfernung vom Fluß voller Wasser. Wir entschlossen uns, an einer geeigneten Stelle weiter nordwärts, die Wagen in die westliche der Vertiefungen zu fahren, während Gunther und Verrian und einer der Treiber (Ich kann die drei Js immer noch nicht zweifelsfrei auseinanderhalten) abwechselnd oben auf der Ebene ritten und nach möglichen Gefahren ausschau hielten. Leider war der von uns gewagte Weg offensichtlich etwas zu steil, denn der dritte Fahrer konnte es trotz seiner Erfahrung nicht verhindern das der Wagen sich so sehr zur Seite neigte, das er umkippte. Glück im Unglück: Weder der Fahrer noch die Zugtiere verletzten sich hierbei ernsthaft, und auch von der verstauten Ausrüstung kam nichts wirklich zu Schaden, von einigen meiner Bechergläser abgesehen. Der Rest meiner Laborausrüstung befand sich in den anderen Wagen. Ärgerlich, aber in keinster Weise besorgniserregend. Scherben bringen Glück, wie man so sagt. Der Tag verging  ohne weitere Zwischenfälle und wir kampierten am Abend, noch bevor die Sonne endgültig unterging. In den letzten Strahlen, die noch in die Vertiefung fielen machte ich folgene Ersterfassung: Die Verfassung des Randes ist solchermaßen, das eine schon längere Ausgesetztheit den Elementen vorausgesetzt werden kann. Ich schätze spontan auf etwa vier Jahrthunderte, vielleicht länger. Morgen früh werde ich eine extensivere Grabung durchführen, aber unter dem allgegenwärtigen blaugrünen Gras fand ich eine lehmhaltige, rote Erde, mit hohem Anteil an helleren, teilweise fast weißlichen Ganitkieseln. Sie unterscheidet sich nicht oder kaum von anderen Erden im östlichen Tal. Das Gras wächst offensichtlich in der Vertiefung etwas spärlichen und ich werde versuchen herauszufinden woran das liegt.

Mögen die Götter uns gewogen sein, Ferdinand Offentiel.

ANMERKUNGEN:

[1] Folgende Gerüchte und Vermutungen können benutzt werden, wann immer NSC etwas über die Vergangenheit des Tales erzählen. Ich habe darauf verzichtet dazuzuschreiben, ob das Gerücht wahr, falsch oder irgendetwas dazwischen ist. Ich weiß das zwar meistens für meine Kampagne, aber andere mögen das anders handhaben. Und die leere Spalte ist dafür gedacht, sich zu notieren, welcher NSC den Scs dieses Gerücht erzählt hat. Falls diese nochmal nachfragen…

W12 Gerücht und Vermutung NSC dieser Meinung
1 „Bah! Bevor die Menschen hierhin kamen war das ganze Tal voller Hydras! Überall! Bis ein Bauer herausfand, das die Viecher allergisch auf Geflügelfleisch reagieren. Funktioniert noch immer. Wenn du ein Huhn an eine Hydra verfütterst, kannst du praktisch dabei zusehen wie die Viecher verrecken. Deswegen hält auch jeder hierzulande Hühner oder Puter. Hält die Hydras fern.“  
2 „Vor den Siedlern gab es hier nur Elfen. Wurden in blutigen Kriegen davongejagt, mein Opa hat noch einen Elfenbogen, der war damals Kriegsbeute. Seit diesen Tagen weigern sich die Spitzohren Menschen mit ihren Namen anzureden. Kommt von den Kriegen.“  
3 „Es gab schon mal Menschen hier, vor den Siedlern. Aber das waren degenerierte Dämonenanbeter und wurden von einer Art Gottkönig und Zauberer beherrscht. Bis die Götter einschritten. Das Moor hat die Ruinen geschluckt und da findet man deren halbwilde Nachkommen noch immer. Seht euch vor!“  
4 „Vor den Siedlern gab es hier nichts außer Orks. Interessiert mich auch nicht.“  
5 „Als die ersten Siedler hierherkamen wurden viele Ruinen gefunden, die meisten wurden einfach umgebaut oder als Fundamente für neue Gebäude benutzt. Deswegen gibt es auch so viele Häuser im Tal mit geheimen Gängen, von denen die Bewohner nichts Wissen.“  
6 „Gryga war keine Ortschaftsname sondern der Name eines berüchtigten Erzmagiers. Man sagt, sein Geist spukt noch immer in den Ruinen im Moor herum…“  
7 „Ah, die goldene Stadt Gryga! Das erste große Zeugnis der Zivilisation in diesem Teil der Welt. Leider wurden die Drow so eifersüchtig auf die Stadt, das sie eine riesige Armee aushoben um Gryga zu erobern. Und als sie es endlich schafften hatte’s sie so viel Sklaven und Soldaten gekostet, das ihr Reich an der Oberfläche zu Grunde ging. Der Untergang Grygas war auch ihr Eigener! Ironie der Geschichte…“  
8 „Nun, alles begann als die Götter die Welt erschufen… Was? Die Geschichte des Tals? Keine Ahnung!“  
9 „Früher bedeckte der dunkle Wald das ganze Tal bis nach Bruch. Deswegen sind Fanferlüsch und ihre Feen auch so sauer auf die Menschen. Wir haben ihren Lebensraum zerstört!“  
10 „Vor den ersten Siedlern gehörte das Land den Drow, bis sie sich in die Tiefen zurückgezogen haben. Keiner weiß warum, aber manche meinen, der Grund für diesen Rückzug schläft noch immer hier im Tal und vielleicht irgendwann aufwachen. Wehe den Bewohnern, wenn das passiert…“  
11 „Es waren die Goblins die hier auf den Ebenen jagten, hatten aber keine Ansiedlungen hier. Mein Papa meinte immer, sein Großonkel hätte ihm erzählt, der kannte einen Elfen, der meinte, sie hätten vor irgendwas Angst, und haben die ersten Siedler hier kaum bekämpft sondern sich relativ friedlich, für ihre Verhältnisse, zurückgezogen…“  
12 „Die Zwerge wissen, das hier im Tal irgendein übermächtiges Artefakt verborgen ist. Deswegen die ganze Grabplünderei dieser dreckigen fusselbärtigen Langfinger…“ *Spuckt aus*  

[2] „Mögen die Götter dir/mir/uns/euch gewogen sein“ ist eine oft benutzte Floskel im Tal, das sich nicht durch eine übermäßige Frömmigkeit auszeichnet (und auch keine großen Tempelanlagen vorweisen kann). Diese eher wage Aussage soll pauschal jeden Gott besänftigen; und viele der Talbewohner meinen, mehr Ehrerbietung brauchen die Götter eh nicht… Etwas fester im Glauben verankerte Talbewohner nutzen den Namen ihres Gottes, also sagen sie etwa „Möge Hasgar dir gewogen sein“, wenn sie Anhänger des feuerfüßigen Gottes sind. Seltener wird die Floskel mit dem Namen eines bestimmten Gottes auch von Nichtanhängern benutzt, wenn es um eine bestimmte Situation geht, die in dessen Zuständigkeitsbereich fällt.

[3]Die Besonderheiten der gnomischen Gesellschaft in der Grautalkampagne werde ich später nachreichen…

 

Mal sehen wohin das führt…

BDD

Euer Rorschachhamster

 

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