Heinrich Harder und Urheberrechtsrant

Ich habe ja schon mal auf diesem Blog ein paar Bilder von Heinrich Harder veröffentlicht – weil sie ohne jeden Zweifel gemeinfrei sind. Der Typ ist nunmal länger als 70 Jahre tot, also kann ja niemand da Rechte anmelden… zumindest habe ich das immer so gedacht. Jetzt hat der Bundesgerichtshof eine sehr interessante Entscheidung getroffen (Hier der Link auf Heise.de, man kann noch mehr darüber finden) – durch das Abbilden von gemeinfreien Werken soll ein Museum/Photograph im Auftrag des Museums ein Recht an der möglichst genauen Abbildung des Originales erwerben. Nun, der Anlass ist, das Bilder von gemeinfreien Bildern aus Museumskatalogen heraus online genutzt wurden, durch Wikimedia Commons z.B.. Und ja, natürlich ist das Aufwand, so ein Bild zu erstellen. Aber Aufwand ist für das Urheberrecht kein Argument, sondern… Kunst. Und es ist nunmal leider keine Kunst, ein Bild zu Vervielfältigen. Das ist Handwerk.

Die Urteilsverkündigung ist noch nicht öffentlich, aber das was man bisher hört, ist das echt merkwürdig argumentiert – mit Aufwand nämlich. Wenn dann noch dazu argumentiert wird, daß das Photographieren im Museum verboten sein kann, weil „das Museum mit dem Besucher einen Besichtigungsvertrag eingeht“ dann haben die Museen ihre Daseinsberechtigung als Orte der Bildung verloren. Sie sind praktisch rein kommerzielle Veranstaltungen – die der Verbreitung von Wissen. Bildung und Geschichtsvermittlung eher hemmend gegenüberstehend. WTF?

Und damit ist nicht das Blitzlichtverbot gemeint, das macht nämlich echt Sinn bei photosensitiven Ausstellungsstücken. Übrigens, wenn man seine Hackfresse mit in das Bild schiebt um fröhlich einen Stinkefinger in die Kamera zu drücken, dann ist das wieder Kunst und Kunstfreiheit ist ein hohes Gut… -_- Argh.

Würde das so bestehen bleiben; und ich kann nur hoffen, daß es da irgendeine Form von Aufschrei durch echte Bildungsbürger gibt (Diejenigen, denen freier Zugang zu Bildung wichtiger ist als Standesdünkel); dann bedeutet das, das meine Bilder hier nicht gemeinfrei sind. Weil gescannt und nachbearbeitet, und das ist ja offensichtlich eine künstlerische Tätigkeit nach der gleichen Logik… Als jemand der wirklich künstlerisch tätig ist, empfinde ich das als Beleidigung. Nicht falsch zu verstehen: Den besten Weg zu finden etwas abzubilden, genau die richtige Farbabmischung, Beleuchtung etc. ist sehr sehr schwierig, und meine Scans sind beim besten Willen nicht perfekt in dieser Hinsicht. Es bleibt trotzdem Handwerk. Denn das Motiv ist ja vorgegeben, die Intention des möglichst naturalistischen Abbildens ist vorgegeben, es gibt keinen künstlerischen Freiraum für den Photographen.

Man zeige mir einen Museumskatalog, wo die Originalbilder völlig verfremdet wurden im Katalog, das wäre dann schützenswert und kinda cool.

Außerdem, wie sollte man da jemals irgendeine Rechtssicherheit erlangen können für gemeinfreie Werke? Jeder weiß, das der Mensch mit den ausgestreckten Armen da von Leonardo gemeinfrei ist – was aber wenn jetzt jemand ein Photo online stellt und erst „after the Fact“ anfängt, Leute zu verklagen, weil es ja sein Photo ist? Wie soll man das überhaupt unterscheiden können ob eine beliebige Abbildung mit dem genau gleichen Motiv jetzt aus einer geschützten Quelle stammt oder normal Gemeinfrei ist? Ja, Scheiß die Wand an. Kannste plötzlich gemeinfreie Werke nur noch rechtssicher nutzen, wenn du genau weißt, wo die her kommen und im Zweifel verzichtest du lieber drauf! Schere im Kopf! Juchhu, Bildung! Allein dafür gehören allen beteiligten Museen jegliche Fördergelder gestrichen und ihr Inventar zwangsenteignet.

Egal, jetzt folgen GEMEINFREIE Bilder von Heinrich Harder aus dem Buch „Tierwanderungen in der Urwelt“ von Wilhelm Bölsche (Kosmos, 1914) als Joesky-Steuer.

Und sollte diese unglaubliche Frechheit von einem stümperhaften Urteil tatsächlich bestand haben, dann stelle ich die Scans hiermit unter eine Creative Commons 0 Lizenz.

CC0
To the extent possible under law, the person who associated CC0 with this work has waived all copyright and related or neighboring rights to this work.

Grummel, Grummel.

Bis denn dann,

Euer Rorschachhamster

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Cyberpunk und die 80er-Ästhetik

Wenn man ein alter Sack ist, wie ich, dann fällt einem doch ab und zu etwas auf. Wie zum Beispiel, wie verdammt Retro die aktuelle Cyberpunkrenaissance ist… Also, vielleicht liegt das ja nur an meinem begrenzten Blickwinkel. Aber zu oft (?) seh ich ein Cyberpunkkunstwerk, das sehr viel mehr cyberPUNK ist. Nicht das ich mich beschwere, ich steh auf sexy Punketten mit schweren Waffen…

Aber zur Zeit, als William Gibson DEN Klassiker geschrieben hat, war Punk zumindest noch Groß, wenn auch schon etwas streng riechend. Die ganze Geschichte mit „No Future“ und so. Und das Genre bezog sich halt auf dystopische Zukunften. Das mag es immer noch, aber eine distopysche Zukunft 2018 sollte sich doch anders anfühlen (und darum geht es bei Kunst ja) als 1984? Oder sind wir wieder 1984 angelangt, was „No Future“ angeht mit May statt Thatcher und Trump statt Reagan? Hm.

Merkel statt Kohl? Nee, als Kohl so aus dem letzten Loch pfiff, war die Stimmung eine wesentlich positivere Wechselstimmung, Loveparade anstatt motherfucking, entschuldigung, mutterfickende AFD. Macht natürlich die Ästhetik eher passend.

Ich weiß jetzt aber nicht wie eine Dystopie aussehen muß, damit sie für 2018 paßt… Paranoia wahrscheinlich, höhöh. Ist aber auch aus 1984…

Keine Ahnung, ist mir halt aufgefallen.

Bis dann denn

Euer Rorschachhamster

Zum Kotzen!

Wenn eine Region nicht länger Teil eines größeren Staatengebildes sein will, aus welchen Gründen auch immer, sollte sie dann nicht frei** darüber entscheiden können? Was hat „der Westen“ eigentlich gegen die Abchasen und Osseten?

Nun, natürlich ist es nicht sooo einfach, aber… der Sinn der „Nibelungentreue“ von Angie und Konsorten offenbart sich mir irgendwie nicht. Anstatt ihren Möchtegern-Nato-Partner an der Kandare zu halten, und ihm von vorneherein zu sagen „So nicht!“, wird er mit der Aussicht auf baldigen Eintritt belohnt, für eine völlig unsinnige Militäraktion, die auch noch total nach hinten losging. Strategie, um der Welt zu zeigen was für ein oberfieser Antidemokrat der Russe noch immer ist? Nur… hat nicht in einer Demokratie das Volk grundsätzlich zu sagen wo es hin will? Die Osseten wollen nun mal nach Rußland und die Abchasier nach Unabhängigkeit. Stimmt so aber auch nicht. Denn in Südossetien und Abchasien leben auch noch Minderheiten. Russen, Georgier, Esten*, was weiß ich. Gewürzt wird dann das ganze noch mit den hübschen Völkermorden in der „post-sowjetischen“ Zeit. Soll ich vom Öl anfangen? Ich fang gar nicht erst damit an.

Mein persönliches Fazit lautet: Nationalisten sind so was von verdrehte Scheißleute, ich könnte den ganzen Tag kotzen. Dem ganzen Gedöns kann man nur Zurufen: Eine Grenze ist nur eine blöde Linie auf ´ner Scheißkarte, ihr Idioten, macht mal was Vernünftiges, anstatt euch********* deswegen die Köppe einzuhauen. Von Aberglaube******** und Sprache mal ganz abgesehen.

 

*(Hä? Esten? Irgendwie leben (laut Wikipedia) 6000 Esten in Abchasien… was die wohl von der Abchasischen Unabhängigkeit halten?).

** Dieses Wort ist im Zusammenhang mit den tatsächlichen Gegebenheiten**** in diesen Regionen sehr frei zu verstehen…***

*** Diese Anmerkungen sind nachträglich eingefügt, und deswegen nicht dem Textfluß entsprechend, sondern mehr oder weniger willkürlich, und tatsächlich wurde ** vor * im Text gesetzt, aber * vor ** geschrieben.

**** Soweit ich Kenntnisse von den Gegebenheiten habe- also nicht aus erster Hand, und damit immer mit äußerster Vorsicht zu geniessen. *****

***** Das sollten sich einige***** Journalisten auch mal auf die Fahne schreiben.

****** Nur um Mißverständnissen******* vorzubeugen: Einige, nicht alle!

******* Die sind natürlich immer noch nicht auszuschließen.

******** Auch bekannt als Religion.

********* Wobei, wenn’s nur die betreffen würde, die es halt nicht anders wollen, dann wär’ ja fast nix dran auszusetzen. **********

********** ‚Schuldigung für die vielen Anmerkungen.

Nachtrag: Hier erklärt ein Professor, das Südossetien kein Staat sein kann, weil die Osseten und Georgier nie übereinander hergefallen sind. Völkerrecht sucks!