Ep für ausgegebenes Gold und Implikationen

Die Regel, das eine gefundene Goldmünze (oder Silbermünze in Spielen mit Silberstandard – LotFP zum Beispiel) einen Punkt Erfahrung generiert ist eine hervorragende Methode, um die SC auf das entscheidende im Rollenspiel alter (D&D-iger) Schule zu trainieren: Erfolg, gemessen in Wohlstand, und das richtige zu tun schmerzt manchmal… und niemand muß sterben, gebt uns einfach euer Geld…

Wer es aber noch ein bisschen interessanter haben will, vergibt EP/XP nur für ausgegebene Goldmünzen. Denn es erzeugt interessante Interaktionen der Spieler mit der Spielewelt – selbst für Film-Conanesque Siegesfeiern braucht man ein Etablissement. 1000 GM sollen erstmal ausgegeben sein, wenn man in einem Hinterwäldlerdorf steckt. EP für die Expedition, bei der er ihr die gesamten Schätze im letzten Moment verloren habt? Pah. Und echte Helden feilschen nicht… es sei denn, sie haben zuwenig. Die Carousingtabellen gehen in die Richtung (plus Spaß), ohne das generell zu machen… Carousingtabellen sollten in diesem System auf jeden Fall Bonus-Ep geben.

Was ist aber mit dem Geld, das die Charaktere vor Spielbeginn ausgeben, d.h. ihre Anfangsausrüstung? Wenn diese Summe, nie genug um wirklich viel EP zu erlangen, aber doch schon ein Schritt in die richtige Richtung, Erfahrtung generiert, könnte das vielleicht Spieler inspirieren, den Rahmen voll auszuschöpfen, anstatt mit Notgroschen zu starten? Benachteiligt das Magier? Oder Mönche, die je nach System manchmal echt wenig Geld bekommen? Und selbst wenn alle gleich viel bekommen… führt das nicht zu noch mehr Verzögerung durch Ausrüstungswahl?

Aber er wäre eine interessante Heranführung an das Konzept – man müßte natürlich die Möglichkeit haben, oder sich schaffen können, Geld später auch in höheren Mengen auszugeben. Vielleicht eingeschränkt nach Charakterklassen? Andererseits, wieso sollte der Dieb nicht heimlich ein Waisenhaus finanzieren? Oder der Kleriker sein Geld im Rotlichtviertel verprassen, während der Kämpfer sich eine Bibliothek zusammenkauft? Naja, vielleicht weil er das trotzdem kann, es aber ihn in seiner Profession nicht weiterbringt. Ein Magier hat halt mehr von einem Labor als der Waldläufer… Aber eigentlich wäre ich da eher für keine Einschränkungen. Das erweitert die Möglichkeiten und irgendwie habe ich das Gefühl, das die meisten Spieler trotzdem in der Rolle bleiben würden.

Ein weiteres Problem sind Darlehen und Schulden. Ist es EP-Würdig, wenn der SC Geld verleiht? Sicherlich nicht. Er kriegt es ja zurück. Was wenn nicht? Was, wenn er in ein Projekt investiert, das scheitern kann? Erhält er EP, wenn er scheitert, aber nicht, wenn er Erfolg hat? Oder der SC sich Geld leiht um es zu verprassen? Ok, das ist relativ einfach. Das sollte funktionieren, aber das Zurückzahlen der Schulden gibt keine EP. Das hat interessante Konsequenzen… zahlst du deine Schulden zurück oder schleuderst du lieber das neue Geld auch aus dem Fenster? Vielleicht kannst du dann ja besser gegen die Schuldeintreiber bestehen, mit einer weiteren Stufe? 😉 Erste Stufe Charaktere sollten keine großen Darlehen aufnehmen können, so das diese Möglichkeit normalerweise keine einfache Abkürzung in die zweite Stufe sein sollte. Oder man erlaubt es, und macht die Kreditahie mächtig und gefährlich genug, dass die Gefahr substantiell ist, wenn man nicht zurückzahlen will oder kann. Ja, das würde auch Dynastien erklären – der Prinz kann halt GM genug ausgeben, um zumindest ein zwei Stufen über dem Pöbel zu sein… und es macht das Horten von Schätzen zu einem Klotz am Bein. Ganz wichtig dabei auch, keine Magischen Gegenständeladen. Denn das würde es zu einfach machen, viel Geld auszugeben und doppelt besser zu werden – Stufe und Ausrüstung.

Ok, ich nehme diese Überlegungen und fasse mal zusammen, wie ich das handhaben würde (werde?):

  • Eine ausgegebene GM = 1 EP
  • Carousingtabelle erhöht den EP-Gewinn, meistens zumindest
  • Der Erwerb von banaler Ausrüstung gibt EP
  • Der Erwerb eines magischen Gegenstandes sollte nie banal sein, aber dafür gibt das auch EP
  • Das aktive Investieren in eigene Projekte gibt EP
  • Der Erwerb von Grundbesitz oder Immobilien gibt EP (Herrscher als Baumeister? Check!)
  • Das Verschenken von Geld oder Bestechungen geben EP
  • Schulden erzeugen beim Zurückzahlen keine EP, Nichtzurückzahlen sollte Konsequenzen haben
  • Steuern und Abgaben erzeugen auch nicht EP, und ebenso Konseuquenzen beim Steuerbetrug
  • Das Verleihen von Geld gibt keine EP

So, und alles versteht sich mit einer SC-Schranke. Das Verschenken von Geld an andere SC gibt keine EP, ebensowenig wie der Kauf eines magischen Gegenstandes von einem SC (schon, weil es banal wäre) und so weiter. Sollte der SC eine Abgabe freiwillig übererfüllen, gilt das als Verschenken und damit EP, wenn der Kleriker zum Beispiel freiwillig mehr als den Zehnten an seine Kirche zahlt oder so.

Zu zahlende Zinsen auf Schulden sind natürlich verlorene EP… noch ein Grund mehr, warum es keine gute Idee ist, sich für den schnellen Erfolg in Schulden zu stürzen. Wenn man Geld verleiht bekommt man auch keine EP, aber wenn man mit Gewinn druch Zinsen oder so rauskommt, kann man ja später mehr ausgeben… He. Der Unterschied zwischen stiller Investor und dem selbstverantwortlichen Ausrüster einer Expedition z.B. sind hier groß. Wenn auch manchmal etwas schwierig abzugrenzen…

Und Anfangsausrüstung gibt auch EP. Das ein Notgroschen immer noch Sinn macht, macht ja nix. Wenn einen die 20 EP fehlen, dann kauft man sich einen nutzlosen, aber teuren Umhang, und fertig. Gefällt mir. Der Erfolg wird eben nicht mehr am haben orientiert, sondern am ausgeben. Und das allein verändert schon mehr als ein bisschen die Interaktion mit der Spielwelt. Wofür das Geld ausgegeben wird, ist plötzlich wichtig. Und ein Dungeoncrawl ist nicht mehr als das Mittel zum Ziel, Geld ausgeben zu können – interessante Verschiebung der Spielprioritäten.

Außerdem: Wenn man ein großes Projekt angehen will, für das man sparen muß, dann hält einen das u.U. auf. Man könnte auch einfach alles auf den Kopf hauen, rein EP-mäßig hat man da mehr von… diese Folge gefällt mir auch ganz gut.

Bis denn dann

Euer Rorschachhamster

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2 Gedanken zu “Ep für ausgegebenes Gold und Implikationen

  1. […] Wofür gibt es eigentlich alles Erfahrungspunkte? Ich habe gehört, dass einige sogar für gutes Rollenspiel EP verteilen. Aber ich will mich da gar nicht aus dem Fenster lehnen. Dies war auch in meinen Runden mal Praxis und einige Spieler und Spielleiter stehen immer noch drauf. Allerdings, dass man für jede Gold- oder Silbermünze Punkte vergibt, ist mir ein völlig unbekanntes System. Bei Rorschachhamster gibt es dazu einen interessanten Ansatz nachzulesen. Rorschachhamster – EP für ausgegebenes Gold und Implikationen […]

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  2. Interessanter Ansatz. Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, dass es keine zwei Ressourcen zur Charakterentwicklung geben muss, aber mir gefällt die Idee, dass die SCs einen Anreiz haben, ihre hart verdiente Belohnung auch auszugeben. Wenn ich selbst bei Wind und Wetter bereit bin, im Wald zu schlafen, dann könnte ich mir auch einen Job suchen, in dem nicht ständig Orks und Dämonen versuchen mich zu vernaschen. Also vernaschen im Sinne von in den Kochtopf bekommen, nicht ins Bett.

    Ich würde es vielleicht auch über den Umweg des Ansehens handhaben: XP bringen nur Status Symbole, also Porsche und Villa. Oder aber ich spende fleißig im Tempel und es werden regelmäßig Messen für mich gelesen. Tolle Kleidung, Bedienstete und, ja, auch ausufernde SIegesparties nach erfolgreicher Mission!

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