Drogen, Teil I: Rotgezeichnetes Tränentäubchen

Wenger blinzelte den verkrusteten Schlaf aus seinen schmerzenden Augen, während er sich versuchte aufzurichten. Eine der Gestalten über ihm drückte ihn sanft, aber unerbittlich zurück auf sein Bett. Er roch Knoblauch und Zimt und langsam konnte er erkennen, das Broli über ihm stand. Er starrte seinen alten Freund an. „Was…“ begann er zögernd. „Du hattest einen Zusammenbruch und, Junge, deine Augen sehen aus als hätte dir jemand einen Salzstreuer reingedrückt. Wilma hier kann dir helfen“. Wenger krächzte ein klägliches „Wer… “ heraus, bevor er verstummte weil die Erinnerung ihn traf, hart. Der Rausch, das Wohlgefühl – und der Absturz, wie ein Stürzen aus dem Olymp, seine ganz persönliche Höllenfahrt in die tiefsten Tiefen des Tartaros. Er hatte davon gehört. Er hatte es immer nicht geglaubt. Was konnte schon so schlimm daran sein, wenn man sich ein bisschen amüsieren wollte? Jetzt wußte er es. Trotzdem… Seine fahrigen Finger griffen instinktiv nach dem kleinen Käfig auf seinem Nachtschrank. Wenger sah weder die Enttäuschung auf Brolis Gesicht, noch wie sich Wilmas Züge verhärteten – schon allein weil er sie kaum erkennen konnte…

Das Rotgezeichnete Tränentäubchen ist eine Art primitiver, nachtaktiver Schmetterling, dessen Herkunft irgendwo auf der Hatzeginsel oder einem anderen urzeitlichen Ort vermutet wird. Das Tier besitzt einen bräunlich-grauen Leib, die Oberseite der Flügel ist beigebraun, mit rötlichen Zeichen, während die leicht helleren Unterflügel von gesichtähnlichen Abzeichen in Rot geschmückt sind. Seine schimmernden Facettenaugen und der sehr bewegliche  Proboscis sind violett, und umgeben von hellen Borsten. Rotgezeichnete Tränentäubchen erreichen nach dem oft ein halbes Jahr andauernden Raupenstadium (klein, grün und nicht spezialisiert, was die Ernährung angeht – sie fressen jede Art Blattpflanze) und einer dreiwöchigen Verpuppung ein erwachsenes Alter von maximal 8 Wochen, wobei sie die Nahrungszunahme in der letzten Woche beenden und nach Partnern suchen, indem die Weibchen Pheromone ausstoßen und die Männchen unruhig herumfliegen. Es ernährt sich von Tränen, und ist dabei nicht einzigartig, aber im Gegensatz zu seinen unmagischen Verwandten nimmt der Schmetterling mehr als die Tränenflüssigkeit auf – es entzieht dem Opfer negative Gefühle, Trauer und Furcht, Zorn und Scham. Aber natürlich haben diese Gefühle ihren Platz, und außerdem entzieht das Tränentäubchen mehr Tränenflüssigkeit als jede andere Art. Während es in freier Wildbahn von einem Wirtstier zum anderen fliegt, und sich so die Auswirkungen in Grenzen halten, haben einige Abenteurer die Art gefangen und zum persönlichen Vergnügen genutzt – und heute ist die Abhängigkeit von diesen Wesen eine Plage in vielen Hafenstädten der Tropen und Subtropen. Da die Tiere schon bei gemäßigten Temperaturen lethargisch werden, und aufhören, Nahrung zu sich zu nehmen, beschränkt sich ihre Reichweite so auf natürliche Weise, obwohl der Fürst Dubald von Götthelmsthal angeblich eine beheizte Voliere an seinem Lustschloß hat errichten lassen.

In der Haltung ist das Tier recht anspruchslos. Abhängige tragen das Tier oft in einem kleinen Käfig aus Bambus oder anderem leichten Holz mit sich herum. Wird das Tier an ein Auge gesetzt, fängt es ruhig an zu trinken. Das Opfer empfindet dabei, durch das langsame Verschwinden der negativen Gefühle, eine Art Hochgefühl, das sich steigert, je länger das Tier die Tränen aufnimmt. Wird der Abhängige aber dann mit einem Auslöser präsentiert, der normalerweise negative Gefühle auslösen würde, besteht eine kleine, aber signifkante Chance, das er einen Anfall von Katatonie erleidet. Außerdem leiden die Augen unter dem ständigen fehlen von Tränenflüssigkeit – extremer Missbrauch kann sogar zu Blindheit führen.

Regeln:

Der Rausch erhöht sich, je länger der Schmetterling trinkt: Pro Phase trinken erhält der Charakter für 1W2 Stunden eine Bonus von +1 auf alle RW gegen negative Gefühle, Trauer, Zorn, Furcht etc., und erlebt eine starke Euphorie, aber erleidet einen -1 Abzug auf Fernkampfangriffe, und kann allgemein schlechter sehen. Das Maximum ist dabei 4 Phasen trinken, danach sind die Tränenkanäle leer und der Charakter fast blind. Mißlingt ein RW gegen Gefühle aber trotz des Bonus, oder wird er von persönlich aufrüttelnden Ereignissen betroffen, muß ihm ein (weiterer) RW ohne Bonus gelingen oder er fällt in Katatonie – für 2W20 Stunden ist er faktisch gelähmt, und nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Wird der Bonus/Malus +4/-4 öfter als dreimal pro Woche erreicht, muß jedesmal ein RW gelingen, oder der Charakter erblindet.

Preisliste:

W10

Gegenstand Beschreibung

Gewicht

Preis

1

Bambuskäfig, sehr klein oder anderes, leichtes Holz

1/8 Pfund

2 KM

2

Metallkäfig, sehr klein Eisen oder Zinn

1/4 Pfund

1 GM

3

Käfig, kunstvoll verziert Aus Holz und Metall

1/4 Pfund

5 GM

4

Ei Schlüpft zu 80% nach 1W8 Monaten

10 GM

5

Raupe Verpuppt sich zu 80% nach 1W6 Monaten

25 GM

6

Puppe Schmetterling schlüpft zu 80% nach 1W3+1 Wochen

125 GM

7

Junger Schmetterling Lebt noch 2W3+3 Wochen*

250 GM

8

Schmetterling Lebt noch 1W4+1 Wochen*

150 GM

9

Fast erwachsener Schmetterling Lebt noch 1W3 Wochen*

40 GM

10

Brutpaar Leben noch 1W6 Tage, pro Tag 1W6 Eier.

100 GM

* frißt die letzte Woche nichts mehr.

Abenteueraufhänger:

W6

Abenteuer

1

Eine kleine Menge der wertvollen Schmetterlinge sind entflogen, und ernähren sich von ebenso wertvollen Streitrössern – wo verbringen sie den Tag?

2

Einem Puppenhändler wurde eine Ladung Puppen gestohlen. Er scheint sehr nervös wegen irgendwas zu sein… Und haben diese Puppen eine ungewöhnliche Farbe?

3

Ein bekannter NSC ist süchtig, und bestechlich, geworden…

4

Ein SC bekommt eine Puppe geschenkt. Zu 80% schlüpft ein Schmetterling.

5

Irgendjemand verkauft fast erwachsene Schmetterlinge als Junge – wie er das Aussehen der Tiere verändert, ist unbekannt.

6

Schmetterlingsplage, die Preise fallen auf 0, es wird sogar ein Kopfgeld ausgesetzt, und die ganze Stadt leidet unter geröteten Augen und immer wieder auftretender Katatonie. Einige Erblinden sogar.

HA! Wer sich über den Namen wundert, sollte sich mal die Namen von echten Schmetterlingen anschauen… da ist das noch harmlos gegen.

Ich muß ganz doll diesem Video auf Youtube, beziehungsweise Moth Light Media, danken, das mir die Idee eingepflanzt hat. Oh, und die ganze Lotusgeschichte von Tassander und Co. hat auch als Inspiration geholfen. 😉

Keine Ahnung, ob es jemals ein Teil 2 geben wird, aber ich wollte mir die Möglichkeit offenhalten. 🙂

Bis denn dann

Euer Rorschachhamster

5 Gedanken zu “Drogen, Teil I: Rotgezeichnetes Tränentäubchen

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